Sankt Lioba Schule füllt Aula mit Artikeln für die Friedberger Tafel

Ein Meer aus Taschen, Kartons, Schulranzen, Tierfutterdosen und sogar ganzen Hundebetten: Wer am Montagmorgen den Eingangsbereich der Aula der Sankt Lioba Schule betrat, traute seinen Augen kaum. Anlässlich des diesjährigen Namenstages der Schulpatronin, der heiligen Lioba, hatte die Schulgemeinschaft zur großen Spenden-Challenge im Rahmen der Aktion #LiobaUndFranz aufgerufen. Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen und setzte am Festtag der Schule ein unübersehbares Zeichen handfester Diakonie und gelebter Solidarität mit der Friedberger Tafel e.V.

Was vor wenigen Wochen als kleine Klassen-Challenge in Jahrgang 6 mit einer symbolischen „Starter-Tüte“ auf dem Lehrerpult begann, entwickelte sicham Liobatag zu einer schulweiten Welle der Hilfsbereitschaft. Die Schülerschaft - von der Unterstufe bis hin zu den Oberstufen-Tutorienkursen - war herausgefordert worden, Taschen mit dringend benötigten Gütern zu füllen. Der Ehrgeiz war geweckt: Eine Klasse schaffte es sogar, mehr als acht prall gefüllte Tüten abzugeben; viele Familien stifteten hochwertige Sachspenden wie komplette Hundebetten und Schulranzen.

Ein zentraler Höhepunkt des Liobatags waren die feierlichen Schulgottesdienste. Den katholischen Gottesdienst in der Bonifatiuskirche gestalteten Pfarrer Tobias Roßbach und Schulseelsorgerin Juliane Weitzel. Zu Beginn interviewte Weitzel einen besonderen Gast: Laura Gedaschke von der Friedberger Tafel e.V. Im Gespräch gewährte Gedaschke berührende und aufrüttelnde Einblicke in den Alltag der Klienten der Tafel. Viele von ihnen seien von existenzieller Armut und Einsamkeit betroffen – ohne Angehörige oder einen festen Freundeskreis. „Für viele alleinstehende Menschen sind ihre Haustiere die einzigen Familienmitglieder. Sie schenken Trost, Struktur und Halt in einem ungemein schweren Alltag“, schilderte Gedaschke. Die bittere Realität: Die rasant gestiegenen Kosten für Tiernahrung oder gar Tierarztbesuche können die Betroffenen aus eigener Kraft kaum aufbringen. Um das Futter für den geliebten Hund oder die Katze abzusichern, verzichten viele Menschen auf elementare Dinge des eigenen Lebens. Selbst kleine gesellschaftliche Freuden – wie ein einfacher Besuch auf dem traditionellen Herbstmarkt oder der Kerb – seien für die meisten Tafelkunden finanziell völlig unerreichbar. Genau hier setzt die Initiative #LiobaUndFranz an, die nach dem heiligen Franziskus von Assisi als Schutzpatron der Tiere benannt ist. Aufgerufen wurde speziell zur Spende von Tiernahrung, damit auch die Näpfe der vierbeinigen Lebensretter gefüllt bleiben.

Neben Tiernahrung und klassischen Hygieneartikeln standen auch Schulmaterialien im Fokus. Laura Gedaschke zeigte sich tief bewegt über die vielen gespendeten Schulranzen und Schreibwaren: „Wir sammeln bereits heute für die Einschulungen im kommenden Jahr. Rund 85 Kinder aus bedürftigen Familien wollen wir zum Schulstart im nächsten Sommer mit einem vollwertigen Ranzen ausstatten, damit Kinder nicht mit einer Plastiktüte in die Schulzeit starten müssen.“ Dass nun schon ein guter Teil dieses Bedarfs durch die Lioba-Schülerinnen und -Schüler gedeckt werden konnte, sei eine enorme Entlastung.

Wie unverzichtbar die Partnerschaft zwischen Schule und Tafel ist, unterstreicht eine beachtliche Zahl: Rund 50 Prozent aller Sachspenden, die die Friedberger Tafel über solche Initiativen erhält, stammen aus der Sankt Lioba Schule. Vor allem haltbare Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis, Konserven oder Mehl sind Mangelware. Da Supermärkte fast ausschließlich Frischware kurz vor dem Verfallsdatum abgeben, ist die Tafel auf private Vorratssammlungen wie an der Bad Nauheimer Schule zwingend angewiesen. Eindrucksvoll ergänzten sich an diesem Vormittag die Impulse aus beiden Kirchen: Gott befähigt die Menschen zu Veränderung!

In der katholischen Bonifatiuskirche schlug Pfarrer Roßbach in seiner Predigt den Bogen von der Spendenbereitschaft zum Leben im Dienst am Nächsten: Die heilige Lioba gab einst alle gewohnten weltlichen Sicherheiten auf und stellte ihr Leben ganz in den Dienst an den Mitmenschen und das Vertrauen auf Gott. Ihr Vorbild zeige dass wahrer Halt nicht im Festhalten an Besitz entsteht, sondern im Teilen und Loslassen. Auch der heilige Franziskus steht in dieser Tradition, er wagte einen völligen Neuanfang in Armut und insbesondere in seiner Hinwendung zu unseren Mitgeschöpfen, den Tieren.

Im evangelischen Gottesdienst erinnerte Pfarrer Dennis Klose unter dem Leitwort: „Du bist ein Gott, der mich sieht" an die heilige Lioba als eine Frau, die sich nicht auf das festlegen ließ, was andere in ihr sahen. Dass auch Gott sich nicht festlegen lasse, machte ein meterhoher Stabhochsprungstab anschaulich: Gottesbilder trügen wie dieser über eine Latte, die niemand aus eigener Kraft überspringen könne – ganz oben aber müsse man loslassen. Und wer so angesehen werde, könne selbst anders hinsehen: nicht fragen, was einer sei, sondern was einer brauche.

Hier wird die Verbindung zur Arbeit der Tafel e.V. deutlich. Da wird nicht gefragt, was einer falsch gemacht hat, sondern was auf dem Tisch fehlt. Und dafür versucht die Schulgemeinschaft, ihren Beitrag durch Spenden zu leisten. Traditionell endeten beide Gottesdienste gemeinsam: Auf dem Sportplatz bildeten alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit dem Kollegium eine große ökumenische Gemeinschaft. Das gemeinsame Gebet und der Segen bekräftigten den Zusammenhalt aller, der das gemeinsame Schulleben und das hohe Spendenaufkommen für die Tafel erst möglich macht.

Für tosenden Jubel sorgte am Ende der Feier der stellvertretende Schulleiter Stefan Kurz: Als Anerkennung für das herausragende Engagement und zur Feier des Schultages verkündete er zur großen Freude der Schülerschaft, dass alle Klassen der Unter- und Mittelstufe an diesem Tag hausaufgabenfrei haben.

Wie tief der Funke der Hilfsbereitschaft übergesprungen war, zeigte sich unmittelbar im Anschluss: Zahlreiche Schülerinnen und Schüler packten spontan mit an, strömten zur Aula und trugen Kisten, Taschen und Beutel zum Haupteingang. Dort wartete bereits das Fahrzeug der Friedberger Tafel, das die Jugendlichen im Handumdrehen beluden, bis der Transporter schließlich sprichwörtlich aus allen Nähten platzte. Ein rundum gelungenes Fest der Schulgemeinschaft, das eindrucksvoll bewies, wie lebendig der Geist der heiligen Lioba an der Schule weiterwirkt.

Kontakt

Postanschrift:

Eleonorenring 2
61231 Bad Nauheim

Telefon, E-Mail & Fax

lioba@lioba.de

Telefon: 06032 - 92 15 15

Fax: 06032 - 92 13 40