Mit der Mobilität nach Segovia im Mai 2026 ging unser zweites Kurzzeitprojekt im Rahmen von Erasmus+ zu Ende. Für 15 Spanischlernende waren diese neun Tage weit mehr als eine Reise. Segovia wurde für sie zum Lernort, Begegnungsraum und Ausgangspunkt für neue Perspektiven. Geschichte, Kunst, Natur und das Leben in den Gastfamilien griffen dabei auf eindrucksvolle Weise ineinander.

Schon der Auftakt machte deutlich, worum es in dieser Mobilität ging: Segovia nicht nur zu besichtigen, sondern zu erleben. Bei einer Stadtrallye erkundeten gemischte Gruppen aus deutschen und spanischen Schülerinnen und Schülern die Stadt wie ein offenes Geschichtsbuch. Vom römischen Aquädukt über den mittelalterlichen Stadtkern bis hin zum jüdischen Viertel und zum Alcázar wurde Geschichte Schritt für Schritt sichtbar. Wer durch diese Straßen geht, begegnet den Ursprüngen Spaniens auf Schritt und Tritt.

Ein besonderer Höhepunkt war die Fahrt nach Madrid. Im Museo del Prado wurde spanische Geschichte nicht aus dem Lehrbuch vermittelt, sondern im Bild erfahrbar. Vor den Werken von Velázquez, Hieronymus Bosch und Goya erschlossen sich politische Spannungen, gesellschaftliche Konflikte und kulturelle Umbrüche auf ganz eigene Weise. Der anschließende Rundgang durch die Stadt führte die Gruppe weiter auf den Spuren der Habsburger, der "Austrias", jener Dynastie, die Spaniens Glanzzeit entscheidend mitgeprägt hat.

Auch Valladolid hinterließ bleibenden Eindruck. An einer der ältesten Universitäten Spaniens konnten unsere Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Partnerinnen und Partnern von der IES La Albuera erste Einblicke in das Universitätsleben gewinnen. In einem Workshop mit Studierenden der Modernen Sprachen entstand ein offener Austausch über Erwartungen, Chancen und Möglichkeiten längerer Auslandsaufenthalte. Schnell wurde deutlich, wie wertvoll solche Erfahrungen sind: Sie stärken sprachliche Fähigkeiten, fördern Selbstständigkeit und eröffnen neue Horizonte.

Zurück in Segovia rückte ein Element in den Mittelpunkt, das die Stadt seit Jahrhunderten prägt: das Wasser. Vom Aquädukt bis in die umgebende Kulturlandschaft hinein wurde sichtbar, wie sehr Wasser das Leben und die Entwicklung dieses Ortes bestimmt hat. Im Palast von La Granja bekam dieses Thema noch einmal eine ganz besondere Dimension. Das historische Brunnensystem zeigte eindrucksvoll, wie eng technische Raffinesse, ästhetischer Anspruch und kulturelles Erbe miteinander verbunden sein können. Dass diese Mobilität auch eine Begegnung mit Natur und Umwelt war, zeigte der Ausflug in die Hoces del Duratón. Zwischen hohen Kalksteinwänden beobachtete die Gruppe die größte Kolonie von Gänsegeiern Europas. Zugleich wurde beim Entdecken der lokalen Tier- und Pflanzenwelt deutlich, wie empfindlich solche Lebensräume sind - und wie wichtig es ist, sie zu schützen.

Am nachhaltigsten wirkten jedoch oft die stilleren Momente des Austauschs. Das Leben in den Gastfamilien, das Teilen von Mahlzeiten, Gewohnheiten und Tagesabläufen, das Entdecken von Gemeinsamkeiten und Unterschieden - all das machte interkulturelles Lernen im Alltag erfahrbar. Gerade diese unmittelbare Nähe fördert Empathie, stärkt die persönliche Selbstständigkeit und erweitert den eigenen Blick auf die Welt.

Die vierte Mobilität nach Segovia hat damit erneut gezeigt, was Erasmus+ leisten kann. Es geht nicht nur um Orte, die besucht werden, sondern um Erfahrungen, die bleiben. Erasmus+ ist mehr als ein Programm. Es ist eine Brücke - zu Begegnung, gemeinsamem Lernen und zu einer offenen, kritischen und solidarischen europäischen Bürgerschaft.

Erfahrung der Mobilität mit Segovia in den Worten einer Schülerin

Die Mobilität nach Segovia ist eine tolle Möglichkeit, eine neue Kultur kennenzulernen, sein Spanisch zu verbessern und viele unvergessliche Erfahrungen zu sammeln.

Während meiner Mobilität durfte ich bei einer spanischen Gastfamilie leben und ihren Alltag miterleben. Dadurch habe ich nicht nur die Sprache, sondern auch viele Traditionen und Gewohnheiten kennengelernt. Es war spannend zu sehen, wie unterschiedlich manche Dinge im Vergleich zu Deutschland sind. Gerade diese Unterschiede haben meinen Horizont erweitert und mir neue Perspektiven eröffnet.

Da ich bereits zweimal am Austausch teilnehmen durfte, habe ich besonders gemerkt, wie sehr sich meine Spanischkenntnisse verbessert haben. Durch die Gespräche mit den Spaniern wurde ich viel sicherer im Sprechen und habe gelernt, die Sprache ganz selbstverständlich im Alltag zu benutzen.

Am meisten beeindruckt hat mich die Herzlichkeit der Menschen. Ich wurde von Anfang an offen aufgenommen und habe mich schnell wie zu Hause gefühlt. In dieser Zeit sind viele schöne Erinnerungen entstanden, aber auch Freundschaften, die bis heute bestehen. Deshalb war die Mobilität für mich viel mehr als nur eine Reise – er war eine Erfahrung, die mich persönlich bereichert hat und an die ich noch lange zurückdenken werde.

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